"Trauer ist Liebe"
WN │ 11.05.2023

Zwei junge Menschen berichten von ihren Verlusten
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Es sollte nur eine schöne Zeit werden und endete im Unfassbaren. 2018, bei einem Badeunfall im gemeinsamen Urlaub, verstarb der Verlobte von Christina Oehmen, die heute 34 Jahre alt ist. „Es war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte“, sagt Oehmen rückblickend.
Als sein Vater völlig unerwartet verstirbt, ist Bart Vos 29 Jahre alt. „Sehr, sehr viel Trauer“ sei in ihm gewesen, sagt der heute 32-jährige Vos. Verschwunden ist diese bis heute nicht. Aber Vos hat gelernt, mit ihr umzugehen. Dabei half ihm eine Erfahrung, die er auch anderen nahelegen möchte.
Christina Oehmen und Bart Vos fanden in Folge ihrer Schicksalsschläge den Weg zum Johannes-Hospiz Münster. Dort haben Achim Wasserfuhr und Hildegard Pröbsting ein Angebot geschaffen, bei dem explizit junge Menschen trauern können. Mittlerweile gibt es jeden dritten Montag im Monat (18:00 bis 19:30 Uhr) ein offenes Angebot der Trauer für junge Erwachsene. Wasserfuhr, der die Trauerarbeit am Johannes-Hospiz leitet, sagt: „Trauer ist Liebe. Und Trauer kennt keine Zeit.“
Genau diese Erfahrung hat Bart Vos gemacht: „Ich glaube, die Trauer ist nie vorbei“, sagt er. Er habe in Folge seines Verlustes mit vielen Menschen, Familie und Freunden geredet. Negative Reaktionen auf seine Trauer habe er nie bekommen. Und doch suchte Vos nach mehr bei der Bewältigung des Schmerzes.
Dieses Mehr fand er in Achim Wasserfuhr und dem Angebot des Johannes-Hospizes, junge Menschen bei ihrer Trauer zu begleiten. In der Corona-Zeit gingen Wasserfuhr und Vos häufig in den Botanischen Garten und sprachen miteinander.
„Manchmal ist es einfacher, mit einem Menschen über bestimmte Sachen zu reden, den man nicht so kennt. Trauer, das war unser gemeinsames Thema“, sagt Vos, beruflich Physiker, rückblickend auf die Gespräche mit Wasserfuhr.
Christina Oehmen kennt das auch. Auch sie konnte oder wollte nicht jeden Aspekt ihrer Trauer mit ihrem Umfeld teilen. Sie habe Sorge gehabt, ihr Umfeld zu sehr zu belasten, obwohl dieses stets das Gegenteil signalisiert habe. „Aber man braucht Freunde und Familie auch mal nur die anderen, für die schönen Dinge“, sagt Oehmen.
So kam auch sie zum Johannes-Hospiz. Dort fand sie etwas, das sie „geschenkten Raum“ nennt. Sie habe gelernt, die Trauer zu akzeptieren, statt sie zu verdrängen. Heute hat Christina Oehmen einen neuen Partner. Ein neues Leben? „Liebe endet nicht mit dem Tod“, sagt Christina Oehmen und betont: „Dadurch sind die Gefühle für den neuen Partner aber nicht weniger wert.“ Heute wünscht sie sich aufgund ihrer Erfahrungen einen offeneren Umgang der Gesellschaft mit Trauer.
Bart Vos sagt: „Trauer geht nicht von alleine weg, und sie ist auch kein linearer Prozess. Es lohnt sich, mit Menschen darüber zu reden.“ Mit Blick auf das Johannes-Hospiz fügt er an: „Die Zeit, die ich hier bekommen habe, ist ein großes Geschenk.“
Kontakt mit dem Johannes-Hospiz Münster aufnehmen kann man unter Tel.: 1367910 oder per E-Mail: a.wasserfuhr@johannes-hospiz.de
Text & Foto: Björn Meyer (WN)
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