Die religiöse Uhr tickt
Zum 1. Advent

Menschen sprechen oft davon, dass ihre "biologische Uhr tickt“. Das interessiert einen in jungen Jahren nicht so sehr. Dann aber gibt es Lebensphasen, in denen man aufmerksamer wird. Man kommt an Grenzen. Der Körper und die körperliche Leistungsfähigkeit geben nicht mehr das her, was man sich vorstellt und sich zumutet. Die biologische Uhr tickt. Das ist eine Erfahrung, die hellhörig macht. Worauf muss ich jetzt achten? Kann ich mich darauf vorbereiten? Wo kann ich Hilfe und Beratung bekommen?
Leben hat etwas mit Zeit zu tun und Zeit ist immer vergänglich. Ich kann mir in meinem Leben verlässliche Orte und Räume schaffen. Da bin ich zu Hause. Da kann ich Wurzeln schlagen. Da kenne ich mich aus und da fühle ich mich geborgen. Das ist eine ganz wichtige Größe, die zuverlässige Größe im Gegensatz zur unstetigen Größe der Zeit.
Es wundert einen nicht, dass in den Religionen die Zeit eine wichtige Rolle spielt. Sie ist eine Grunderfahrung, mehr noch, ein Grundproblem der Menschen. Es gibt auch eine religiöse Uhr, die tickt. Sie zeigt die Vergänglichkeit auf und provoziert die Frage: Was passiert, wenn das letzte Sandkorn der Zukunft die Seite gewechselt hat und Vergangenheit geworden ist? Was wird dann sein. Und wann wird das sein?
Die Religionen geben darauf keine zuverlässigen Antworten. Sie weichen dieser Frage aber nicht aus und weisen deutlich darauf hin: "Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist", sagt Jesus seinen Zuhörern. (Mk 13, 33) Ausführlich spricht er über die Endzeit, über die Not und unheilvolle Gräuel, das die Menschen damit verbinden. Man kann das beim Evangelisten Markus im 13. Kapitel nachlesen. Die religiöse Uhr tickt. Deswegen ruft Jesus allen zu: "Seid wachsam!" Das ist das große Thema der ersten Adventswochen. Noch nicht Maria, noch nicht das Jesuskind, noch nicht anheimelnder Kerzenschein. Eher Unruhe und Anspannung. Nicht Geborgenheit, sondern Ausgesetzsein dem unbarmherzigen Vergehen der Zeit.
Der christliche Advent erinnert sich immer wieder an die Erfahrungen des Volkes Israel, an sein Warten auf die Erlösung in finsterer Zeit und an seine Erwartung eines barmherzigen Gottes. „Du, Herr, bist unser Vater, „’Unser Erlöser von jeher’ wirst du genannt“, betet der Prophet Jesaja (Jes 63, 16b) Erlösung, nicht Untergang soll das Ende sein. Und sie kommt allein von diesem einen Gott, den der Prophet verkündet: „Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.“ (Es 64,3)
In der Adventszeit schaue ich besonders auf die religiöse Uhr, die tickt. Nicht panisch. Nicht verängstigt. Hoffend, dass noch Zeit ist, die Zeit zu nutzen.
Lutz R. Nehk
Hier können Sie den Beitrag auch anhören: MEDITATION
Foto: © Uwe Steinbrich pixelio.de, Musik: jamendo.com
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