Jubel ohne Heiterkeit
Palmsonntag

Die Woche beginnt gut. Ein Sonntag, der an Palmen und sonnigen Süden erinnert, an ausgelassene orientalische Stimmung, Jubelrufe und Begeisterung. „Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“ (Mk 11,9) Dieser Ruf gilt Jesus. Endlich kommt er auch nach Jerusalem. Lange ist er in der Provinz umhergewandert, hat dort in den Städten und Dörfern gepredigt, Kranke geheilt und böse Geister ausgetrieben. Nun darf sich das Zentrum, die Hauptstadt auf ihn freuen. Und das tun die Menschen auch.
Für die Religionsführer ist Jesus ein Sicherheitsrisiko. Er ist ihnen ein Ärgernis, das sie am liebsten heute als morgen aus dem Weg räumen würden. Ständig diese Kritik an der bestehenden Ordnung. Ständig diese spitzen Bemerkungen gegen die religiöse Praxis. Und dann nennt er Gott seinen Vater. So geht das nicht. Die Leute sehen das anders. Für sie ist Jesus der Messias, auf jeden Fall der Messias der Herzen. So empfangen sie ihn am Stadttor von Jerusalem. "Viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweige von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! / Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, / das nun kommt. / Hosanna in der Höhe!" (Mk 11, 8-10) So beschreibt der Evangelist Markus die Szene. Heute würde man sagen, Jesus wurde gefeiert wie ein Popstar. Und andersherum wird oft die Stimmung dieser Szene genommen um zu beschreiben, dass ein Politiker wie ein Messias empfangen wird.
In den Gemeinden wird heute der Palmsonntag gefeiert. In Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem wird am Beginn des Gottesdienstes ein Kreuz in die Kirche getragen. Es ist mit grünen Zweigen geschmückt, Buchsbaum, vielleicht auch ein paar blühende Forsythien. Und die Leute begleiten das Kreuz, tragen selbst grüne Zweige in den Händen und stimmen ein in den Gesang "Hosanna, dem Sohne Davids! Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herrn!"
Dabei wissen sie aber genau, dass es nicht um einen Popstar geht und auch nicht um einen Politiker mit Messias-Allüren. Das Zeichen des Kreuzes steht an diesem Tag schon zu sehr im Blick, als dass man sich einen anderen Ausgang der Geschichte vorstellen könnte. Jesus wird der Messias nicht durch die Jubelrufe der Menschen, sondern durch seine Hingabe am Kreuz. Das ist seine Bestimmung und das weiß er genau. So wird dann diese Woche auch nicht nach der Stimmung des Palmsonntags benannt. Sie ist die Karwoche. „Kara“, althochdeutsch, heiß Klage, Kummer und Trauer. Und am Ende dieser Woche wird es dann ganz ruhige geworden sein um Jesus. Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe.
Aber danach, danach kommt wieder ein Sonntag von dem ich mit Gewissheit sagen kann: Die Woche beginnt gut!
Lutz R. Nehk
Hier können Sie den Beitrag auch anhören: MEDITATION
Foto: © Nehk 2012 / Musik: musopen.org
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